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15.10.2016

Jasinaja.

Jede Reise geht mal zu Ende, auch halbjährige. So ist das Reisekonto nun abgelaufen und es wird Zeit, den letzten Abschnitt zurückzulegen. Natürlich möglichst mit der Bahn. Aber das gestaltet sich auf dem ersten Stück nicht ganz einfach. Denn, obwohl Gleise durchgehend liegen, darf man hier nicht fahren. Zwischen Rachiv und Teresva müsste man dazu auf nicht mal 50km Distanz in die EU ein- und wieder ausreisen.
Das Gleis liegt an der Südseite des Teißtales, welches hier die Grenze zwischen Rumänien und der Ukraine und damit ano 2016 eben jede zwischen EU und Nicht-EU bildet.

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Abschied von Jasinaja.

Und ganz so frei ist das dann mit dem offenen Europa dann doch nicht. So gibt es schon einige Jahre keine durchgehenden Zugverkehr mehr. Also heißt es auf der ukrainischen Nordseite der Theiß entlang auf der Straße zu fahren, statt auf der Südseite auf Schienen.
Von nun an kommen Erinnerungen allerorten.
Der erste Ort der EU, den man flüchtig erkennnen kann, ist Valea Viseuli, aus rumänischer Sicht tief in der Waldprovinz Maramures gelegen. Wohl das ursrünglichste Stück EU. Die weltberühmte Vasertalbahn, die mich 1999 zum ersten Mal in diese Gegend führte, ist hier auch nicht mehr weit. Ob Zeitreisen wie damals auch im EU-Rumänien noch möglich sind? Die Frage bleibt heute unbeantwortet, denn wir lassen Rumänien „links liegen“.
Per Bus nach Solotvino. Ab dort gibt es auch wieder ein Gleis auf der ukrainischen Seite, und, es soll ein Zug gegen 10Uhr vom dortigen Bahnhof fahren. Es soll. Am Bahnhof ist kein Zug weit und breit zu sehen, obwohl er auf der Webseite vorhanden war. Begründung auf Nachfrage am Schalter: „Ja, das hier ist Ukraine!“ Aha.

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Bahnhof Mukaschwo

Der nächste Mini-Bus fährt dagegen schon bald weiter Richtung Westen, nun immer parallel zu den Gleisen. Ein wirklicher „Postbus“. Überall stehen Menschen und reichen dem Fahrer Pakete – oder holen solche ab. Irgendwann ist jeglicher Raum zwischen den Sitzen mit Gepäck verstopft.
Der Bus fährt nach Uzhgorod, weitgehend im Theißtal und irgendwann quer über die Berge, auch durch Irschava, Endpunkt der schmalspurigen Borschatalbahn. Hier auf einen Zug zu treffen ist noch weniger ausichtsreich als in Solotvino.
So bleibt einzig Mukaschevo, gelegen an der Haupteisenbahnquerung der Karpaten.

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Elektritschka Mukaschewo -Tschop

Ab hier gibt es Elektritschkas an die slowakische Grenze. Nachdem der Zug aus Odessa durch ist, macht sich unser Elektritschka auf den Weg. Wenig später sind die ersten Vierschienengleise zur Stelle, Mitteleuropa kann nun wirklich nicht mehr weit sein.

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Schnittstelle, vor allem der Gleise.

Tschop, ein kleiner Ort mit riesigem Bahnhof, einst der wichtigste Grenzübergang der Sowjetunion in Richtung Westen. Heute vom Verkehrsaufkommen ein Schatten seiner selbst. Aber er ist gepflegt.
Knapp eine Stunde ist hier letztmals Zeit, die Postkarten loszuwerden. Es gelingt schließlich in letzter Minute, oder besser gesagt, fünf nach zwölf. Denn, zurück am Bahnhof, herrscht Totenstille und die Tür ist geschlossen, die Tür zu den Abfertigungsbereichen, also die Tür zur EU!
Die schließt hier nämlich 20min vor Zugabfahrt. Aber man hat Erbarmen, so wird für klopfende Briefkastensucher auch nochmal wieder aufgemacht. Natürlich nicht ohne Ermahnung des Personals. Die letzte Grenzkontrolle, wie werde ich das vermissen…

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Bahnhof Tschop

Und dann darf die „Schmalspureisenbahn“ geboarded werden. Zwei Wagen hat das Zügle für die kurze Fahrt zwischen den Welten: Neben dem „schmuggelfesten“ Stammwagen (ein Großraumprototyp) ist der Kurswagen Kiew-Prag vom Odessazug mit zu uns gewechselt.
Hinüber auf die „andere Seite“ sind es keine 20km, trotzdem braucht man dafür eine Stunde, und das liegt nicht etwa an der Zeitverschiebung. Den Großteil der Fahrt stehen wir, wie üblich, am ersten Bauwerk der EU: ein Grenzkontrollcontainer, direkt hinterm neuen Zaun. Trump will seine Mauer erst noch bauen, die EU ist da schon etwas weiter!

Und dann dürfen wir fahren! Hinein nach Europa, also das politische, meine ich.

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Haupteingang in die EU.

Vitami ve Ciernu nad Tisou! Oder zu Deutsch „Willkommen in der Slowakei“. Ok die Übersetzung war jetzt nicht ganz sauber.
Fahrkartenkauf und hinein in den Nachtzug, ähm naja nicht ganz, denn die eben erworbene Schlafwagenkarte gilt ja erst im „Slovakia“, dem Anschlussnachtzug ab Kosice nach Prag.
In Kosice sind fünf Minuten Übergang in den Nachtzug kein Problem, undenkbar bei der großen Eisenbahn. Der Schafwagen, ein Neubauwagen aus Bautzen, ist völlig leer. Odjezd na Zapad!

Etwas über 1000km verleiben noch bis Berlin, einst war das richtig weit. Nun das ganze Gegenteil, wie ein Coundown ziehen am Fenster bekannte Ortsnamen in schneller Taktfolge vorbei: Poprad, Ruzomberok, Vrutky, Zilina…Noch nie kam mir das alles so eng, so klein vor. Wohl das auch eine Erfahrung dieser Reise.

16.10.2016

Weit vor Sonnenaufgang hat der Zug sein Ziel erreicht, Prag am Morgen.

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Praha, Ankunft des „Slovokia“.

Ein letztes Mal innehalten, haben die Fahrplanbauer hier doch extra fast zwei Stunden Aufenthalt vorgesehen, damit die Enge sich nicht ganz so eng anfühlt. Ein wenig flanieren rings um den Bahnhof, ein paar morgendliche Blicke in die schöne Altstadt, viele Straßenbahnen, wenig Autos. Eigentlich, Europa, bist doch gar nicht so verkehrt!
Wenig später geht es weiter, von der Moldaumetropole zu jener an der Spree, EC176 „Johannes Brahms“ lädt ein.

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Vaclav zieht den letzten Zug der Reise.

Der Höhepunkt dabei: eindeutig Linda! Irgendwo dort spricht es im Nachbarabteil: „Ne Gegend, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen“. Wenn er wüsste, dass diese Gegend auf der direkten Route von Tokio nach Berlin liegt…2016-10-16_59754

Zieleinlauf.

Jüterbog, Luckenwalde, S-Bahnen und die Berliner Stadtgrenze. Südkreuz, Gleisdreick, Tunnel, Potsdamer Platz und Einfahrt in den Hauptbahnhof. Pünktlich um 12.58Uhr kommt „Johannes Brahms“ zum Stehen.

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Angekommen.

Man scheut wohl Fahrgastrechteklagen, auch 25% des Reisepreises von Nemuro, Japan, wären schon nicht ganz unbedeutend 😉
In eben jenem Nemuro hatte die Rückfahrt am 18.09.16 begonnen, knapp einen Monat später ist es geschafft.

Der Kreis ist geschlossen, fast sechs Monate vergangen, seit dem 04.05.16 , als es losging  „Über den Mittleren zum Fernen Osten“.

к о н е ц


Und für die Zahlenfreunde noch etwas Statistik zur Reise:

Tage: 165 (Mai: 28, Jun: 30, Jul: 31, Aug:31, Sep: 30, Okt: 15)
Tage 24h im Zug: 7 (27.Jul., 17.Aug., 30. Sep, 01., 04.-06. Okt)
Tage 24h auf Schiff: 1* (25.Sep, *3h Landgang in Donghae, Korea)
Nächte im Zug: 30 (IR: 3, UZ: 2, TJ: 0, KG: 0, KZ: 3 RU: 20, JP: 0, UA: 2)
Nächte auf See: 4 (RU: 1, JP: 1, KO: 2)

Die genauen Zahlen zu Entfernungen und Kosten werden wohl nie korrekt ausgerechnet werden. Nur soviel, im Zweifel war es meist weiter und billiger als erwartet 🙂

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